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Die Glaubensgemeinde zu Homosexualität

Die Glaubensgemeinde zu Homosexualität

Vor dem Hintergrund der Entscheidung des deutschen Bundestages zur „Ehe für Alle“ geben wir hiermit die deutsche Übersetzung eines Interviews wider, das valasz.hu mit Dr. Tibor Ruff, Theologe und Philosoph und Pastor in der Glaubensgemeinde, geführt hat. Das Original-Interview ist hier auf ungarisch zu finden.

Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten verurteilt die Glaubensgemeinde die Homosexualität noch deutlicher als früher. Zu dieser konservativen Denkweise befragen wir den Vertreter der Gemeinde, die auch Besitzanteile am linken, liberalen ATV-Sender hat.

Wir haben schon viel über die Glaubensgemeinde geschrieben. Wir waren z. B. erstaunt, wie sie Miteigentümer des Fernsehsenders  ATV sein kann, wo doch dessen Sendungen in vieler Hinsicht den Glaubensprinzipien der Gemeinde widersprechen. Desweiteren brachten wir ihre politischen Beziehungen zur Sprache und fragten uns erstaunt, warum sie mit radikalen muslim- und einwanderungsfeindlichen europäischen Parteien gegen den Antisemitismus kämpft. Unerwähnt blieb jedoch bisher, warum sie in der Verurteilung der Homo-Ehe einen härteren Standpunkt vertritt als andere Kirchen und Gemeinden.

In der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift “Hetek” sagt der ehemalige SZDSZ-Politiker, Mészáros István, der Homosexualität den Kampf an und laut unseren Informationen wird dieses Wochenende in der ATV-Sendung „Fröhliche Sonntag“ zu diesem Thema der Vortrag eines amerikanischen Pastors gesendet, den seine Kritiker als „homophob“ bezeichnen. Wir haben also die Gemeinde aufgesucht, um die Sache gründlich zu besprechen. Unsere Fragen hat Tibor Ruff, Philosoph, Theologe und Doktor der jüdischen Religionswissenschaft, beantwortet.

 

In der ungarischen Öffentlichkeit wird von vielen schon lautstark „Homophobie“ gerufen, wenn z. B. jemand nicht mit der Homo-Ehe einverstanden ist. Unter den ungarischen Kirchen ist die Glaubensgemeinde einer der markantesten Kritiker der Homosexualität, trotzdem wird Ihre Gemeinde selten  als “homophob” abgestempelt. Worauf führen Sie das zurück?

Wir glauben an die Meinungsfreiheit und praktizieren diese auch dann, wenn wir wegen unseres Standpunktes angegriffen werden. Mit den Kirchen geht die Öffentlichkeit etwas zurückhaltender um, als mit den Parteien. Daneben streben wir nach Ausgeglichenheit, sowie danach, keinen Zorn und Hass aufkommen zu lassen, was vielleicht in vielen Menschen uns gegenüber Achtung erweckt. In moralischen Fragen haben wir schon immer einen konservativen Standpunkt vertreten. Gleichzeitig sind wir bekannt dafür, dass wir uns von ganzem Herzen für die Menschenrechte einsetzen – jedenfalls was deren erste Generation betrifft – und das schon seit den Jahren, die wir in der kommunistischen Diktatur illegal verbringen mussten. Mit den weiteren Generationen der Menschenrechte ist das nicht unbedingt so, einige davon halten wir für fragwürdig, kraftloser und weniger fundamentiert. Und die Hauptsache: sie stehen im Widerspruch zur Bibel, wie z. B. auch das Recht der Homosexuellen auf Ehe, Adoption und Kindererziehung. Befremdlich erleben wir, dass die angeblich freie westliche Welt heute immer mehr dazu neigt, den Gläubigen die Grundrechte der Rede- und Lehrfreiheit zu entziehen, wenn jemand aus Gewissens- oder Glaubensgründen eine der Masse gegenüber gegenteilige Meinung vertritt. Dabei ist das ein viel älteres und grundlegenderes Menschenrecht. Und noch etwas: bei uns ist der ethische Konservatismus nie mit Antisemitismus verbunden gewesen, wie so oft bei den Rechten, und das weiß auch jeder über uns. Es ist wichtig festzuhalten, dass die Homosexuellen unsere Mitmenschen und Nächsten sind, deshalb bemühen wir uns – entsprechend dem moralischen Gebot der Bibel und unseres Gewissens -, sie genauso zu lieben wie uns selbst. Es ist ja an sich schon nicht richtig, wenn der Mensch seine eigenen Sünden akzeptiert. Warum sollten wir die anderen mehr lieben, als uns selbst? Wir hassen nicht den Menschen, aber seine Taten verurteilen wir definitiv. Im Übrigen sind die unterschiedlichen Wortzusammensetzungen mit “Phobie“ heutzutage ein sehr populäres Mittel des einschüchternden Brandmarkens im öffentlichen Reden, um die Menschen davon abzuhalten, sich über gewisse Sachen Gedanken zu machen. Ich für meinen Teil bezeichne das als “Phobophobie”.

 

Ihre Gemeinde ist Eigentümer des linken, liberalen ATV Fernsehsenders. Wie kommen Sie klar mit der Tatsache, dass die Zuschauer und Gäste des Senders wahrscheinlich nichts gegen Homosexualität und Schwulenehe haben?

Die Gemeinde steht auf der Seite Jesu Christi, seine Lehren sind für uns maßgebend in unseren gesellschaftlichen und politischen Meinungsäußerungen. Mit der Programmredaktion des ATVs hat die Gemeinde ungefähr so viel zu tun, wie mit dem „Hír TV“ („Nachrichten TV“). Aber in bestimmten Fragen schützt unsere Gemeinde linksliberale Werte auch, wenn wir mit diesen einverstanden sind, so z. B. was die Liebe zur Freiheit oder die Forderung nach Reinheit des gesellschaftlichen Lebens betriff. Moralisch gesehen sind wir jedoch konservativ. Im Übrigen ist es nicht ungewöhnlich, dass in der Programmredaktion eines Mediums nicht die Wertvorstellung der Eigentümer, sondern die der Zuschauer erscheint, da ja diese Medien für die Eigentümer vor allem wirtschaftliche Unternehmen sind. Natürlich kann ich mich auch nicht mit allen Meinungen identifizieren, die auf ATV zu hören sind, aber in einer pluralen Gesellschaft ist das normal.

 

Wollen Sie die Lehren, die in der Gemeinde gelten, auch auf die ganze Gesellschaft übertragen bzw. hätten Sie etwas dagegen, wenn der Staat die Ehe der homosexuellen Paare legalisieren würde?

Die biblischen Lehren werden von uns auf allen Foren vertreten, aber wir respektieren die Gewissensfreiheit der Menschen. Wir halten es für unakzeptabel, die Staatsmacht wie im Mittelalter dafür zu benutzen, den Menschen den Glauben, die biblische Weltanschauung und Moral aufzuzwingen. Das hat in der Geschichte schon viel Schlechtes generiert. Die Menschen haben das Recht, nach ihrer eigenen, selbst gewählten Wertvorstellung zu leben, aber wir betonen, dass jeder für seine Taten Gott und seinem Gewissen gegenüber Rechenschaft ablegen muss. Wir sind überzeugt, dass diese Taten im Einklang mit der Bibel beurteilt werden. Bezüglich der Homo-Ehe geht es eher um den Schutz der ursprünglichen moralischen und rechtlichen Definition der Ehe. Gleichgeschlechtliche Paare sind aus dem Aspekt des Weiterlebens und Wachstums des Volkes unproduktiv. Das lässt sich schon allein aus der Natur ableiten, aber auch die Bibel bestätigt das. Aus rein natürlichen Aspekten ist es ebenso fraglich, ob zwei gleichgeschlechtliche Elternteile Kinder mit gesunder Psyche werden erziehen können, wo es doch eine anthropologische und psychologische Tatsache ist, dass sich eine gesunde Seele im “Liebesraum” zwischen den emotionalen Polen eines Vaters und einer Mutter, eines Mannes und einer Frau gut entwickeln kann. Die homosexuellen und allgemein die LGBTQ-Ehen sowie die Institution der Kindererziehung werden eine anthropologische Veränderung des Menschen nach sich ziehen, mit – unserer Meinung nach – katastrophalen langfristigen Folgen.

Warum sollten der Name und die dem gesellschaftlichen Nutzen entspringenden Vorrechte dieser Grundinstitution, welche die gesunde Reproduktion der Gesellschaft sichert, auf eine Beziehung erweitert werden, die auf natürliche Weise zu dieser Reproduktion unfähig ist?

Diebstahl wird vom Gesetz auch nicht wegen der Zehn Gebote verboten, sondern weil er von seiner Natur her für die Gesellschaft und das Individuum keinen Nutzen hat.

 

Ist die Glaubensgemeinde damit einverstanden, dass in Ungarn homosexuelle Paare eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen können?

Grundsätzlich nicht.

 

Wenn es an Ihnen liegen würde, würden Sie die ungarischen Gesetze bezüglich Homosexualität strenger machen?

Das halten wir nicht für notwendig. Wir wollen nicht, dass mit Rechtsvorschriften so tief in das Privatleben der Menschen eingegriffen wird. Das Recht auf Adoption und Kindererziehung für gleichgeschlechtliche Paare würden wir jedoch – auf Grund des vorab Erwähnten – anfechten.

 

Was ist Ihre Meinung über das „Budapest Pride“?

Wir finden es unnötig, übertrieben und in unverständlicher Weise überdimensioniert. Noch dazu verletzt es die Gesinnung vieler Menschen – unter anderem auch die unserige – sehr stark. Auch wir werden wegen unseres Glaubens von vielen verachtet, trotzdem organisieren wir nicht jedes Jahr protzige, von ihrer Art her bei vielen Empörung hervorrufende Aufmärsche. Wir sind auch stolz auf viele unserer Werte, aber diese zwanghafte Überbetonung dieses Stolzes, wie ihn schon der Name („pride“) und die Äußerlichkeiten dieser Homo-Aufmärsche enthalten, ist eher die Eigenheit von äußerst unsicheren, mit Minderwertigkeitskomplexen kämpfenden und sich in einer Identitätskrise befindenden Menschen und Gemeinschaften. Auch aus gesellschaftlicher

Hinsicht finden wir diese Aufmärsche bedenklich, da sie vielen Jugendlichen ein falsches Beispiel geben und deren unentwickeltes sexuelles und moralisches Leben noch mehr verwirren.

 

Was ist Homosexualität Ihrer Meinung nach?

Wir glauben daran, dass die Bibel das Wort Gottes des Schöpfers ist, das in allen Zeitaltern gilt. Die Homosexualität ist laut Bibel eine schwere Sünde, hinter der im Allgemeinen auch dämonologische, spirituelle und psychische Probleme stecken. Das Beste ist, wenn ich zwei Beispiele zitiere:

„Und bei einem Mann sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt: Ein Gräuel ist es.“ (3. Mose 18:22) „Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt, und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt, indem die Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.“ (Brief des Paulus an die Römer 1:26-27) Wir akzeptieren nicht, dass sie eine angeborene, in den Genen codierte Zwangslage wäre, auch wenn das heutzutage viele Menschen betonen. Wir wissen nur, dass das wissenschaftlich nicht zweifelsfrei bewiesen oder derart deterministisch interpretiert werden kann. Deshalb geht es bei der Verurteilung der Homosexualität nicht um das Selbe, wie im Falle von Rassismus, was von der Propaganda immer so betont wird. Diese zwei Sachen haben ein unterschiedliches Niveau. Die Bibel bestätigt, dass die Homosexualität eine gewählte Lebensform ist und in solcher Menge und derart legalisiert immer ein Zivilisationsprodukt der Wohlstandsgesellschaften ist: „Siehe, das war die Schuld deiner Schwester Sodom: Hochmut, Fülle von Brot und sorglose Ruhe hatte sie mit ihren Töchtern, aber die Hand des Elenden und des Armen stärkte sie nicht; und sie wurden hochmütig und verübten Gräuel vor meinem Angesicht. Und ich tat sie hinweg, sobald ich es sah.“ (Hesekiel16:49-50)

 

Die katholische Kirche betrachtet homosexuelle Neigungen nicht als Sünde, nur homosexuelle Taten. Und Sie?

Ähnlich. In der christlichen Pastoration gibt es seit Jahrtausenden spirituelle, dämonologische oder psychologische Mittel, mit denen man diese Neigungen „kreuzigen“, beseitigen kann. Aber das geht nur, wenn der Beteiligte die Absicht dazu hat.

 

Kann ein praktisch homosexueller Mensch Mitglied der Glaubensgemeinde sein? Wenn ja, dann unter welchen Bedingungen?

Hier ist die entscheidende Frage das Verhältnis zwischen Kirche und Homosexualität. Beide schließen einander aus, denn die Kirche ist das „Eigentum“ Jesu Christi und niemand hat das Recht, die Lehren Jesu, die die Verfassung der Kirche darstellen, zu verändern.

 

Kennen Sie jemanden in der Glaubensgemeinde, der homosexuelle Neigungen an sich erkannt hat? Was geschah mit dieser Person?

Ich kenne sogar mehrere solcher Personen, darunter auch jemanden, der inzwischen verheiratet und vor kurzem Vater geworden ist. Seine Frau ist immer sehr fröhlich, was der beste Beweis ist. Aber ich kenne auch Personen, die mehr Schwierigkeiten haben – allerdings auch nicht mehr als die Heterosexuellen, denn Schwierigkeiten mit sich selbst können diese genauso haben, – und ich kenne auch jemanden, der zurzeit lieber noch allein lebt.

 

Laut den Katholiken kann ein Homosexueller dann gottgefällig leben, wenn er quasi das Zölibat, also die Enthaltsamkeit wählt. Wenn jemand Sie in der Glaubensgemeinde damit aufsuchen würde, dass er Zuneigung zum eigenen Geschlecht empfindet, was würden Sie dieser Person sagen?

Ich würde dieser Person das Evangelium verkünden, welches eindeutig behauptet, dass Jesus Christus der Erlöser und der Befreier ist, der jeden von seinen Sünden und von seinem körperlichen-seelischen Elend befreien kann, wie ich es auch in mehreren tausend Fällen erfahren habe. Deshalb sollte man sich an ihn wenden und um Hilfe bitten, das ist sehr wirksam. Ich zum Beispiel war im Alter von 15 bis 24 Jahren drogenabhängig, davon die letzten vier Jahre intravenös opiatabhängig und dem Sterben nah. Bei meiner Bekehrung wurde ich außerordentlich schnell, fast ohne Entzugsymptome davon befreit.

 

In den USA betreiben zahlreiche neuprotestante Gemeinden eine homosexuelle Mission, wo ex-homosexuelle Christen versuchen Menschen zu unterstützen, die mit ihrer homosexuellen Lebensweise brechen wollen. Hat die Glaubensgemeinde eine solche Gruppe oder diesbezügliche Pläne?

Die Pastoren der Glaubensgemeinde führen vielseitige Pastorationstätigkeiten aus und sind auch auf solche Probleme vorbereitet.

 

Die Gemeinde hat bisher fast nur in den eigenen Kreisen ihre Lehre über die Homosexualität verkündet. Wird sie nach der Volksabstimmung in Irland und nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten ihre Kritik weiterhin „innerhalb des Hauses“ lassen?

Sándor Németh sagt seit Jahren im ATV Programm „Fröhliche Sonntag“, das von mehreren hunderttausend Menschen angeschaut wird, seine Meinung darüber. Wenn wir auf irgendwelchen Foren dazu befragt werden, geben wir jedem eine ehrliche Antwort, wie jetzt auch hier. Wenn wir es für notwendig halten, geben wir auch offizielle Erklärungen ab. Die Initiative oder Unterstützung  gesellschaftlicher oder politischen Bewegungen überlegen wir uns immer im Lichte der gegebenen Situation, wie wir das auch während der Wende taten. Auch in der Zukunft werden wir versuchen,  unsere Überzeugungen vor der ganzen Gesellschaft zu vertreten, aber wir werden auch die Entscheidungsfreiheit der Menschen darüber  respektieren, was für ein Leben sie  führen wollen. Nur sollten auch sie nicht versuchen, ihre Weltanschauung auf uns, auf die ganze Gesellschaft und den Staat zu zwingen.

(Übersetzung des ungarischen Artikels von Szilárd Szőnyi auf válasz.hu)

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